Künstler im Interview – Jessica Koppe

Herzlich willkommen zu einer neuer Folge “Künstler im Interview” Diesmal mit Jessica Koppe.Vielen Dank nochmals für den Einblick in dein Schaffen!!

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Was inspiriert dich?

Am meisten inspirieren mich Menschen. Dinge, die ich mit ihnen erlebe, die andere mir von ihren Begegnungen mit anderen Menschen erzählen. Philosophische Betrachtungen. Wortspiele – egal, wie flach. Inspiration kann ich überall finden, wenn eine Person oder eine Sache in mir eine Art Echo auslöst, kommen die Ideen.

Wie kamst du zur Kunst?

Mit etwa drei Jahren habe ich wie die meisten anderen angefangen, im Kindergarten regelmäßig Bilder zu malen. Ich habe nur einfach nicht wieder damit aufgehört. Mit ungefähr 15 oder 16 habe ich beschlossen, dass ich als Beruf etwas Künstlerisches machen will, mit 20 habe ich mein Freie Kunst-Studium an der Kunstakademie begonnen. Dabei bin ich sehr meinem Herzen gefolgt mit dem tiefen Vertrauen, dass das genau das Richtige für mich ist und dass ich auch auf diesem Wege mein Auskommen haben werde.

Vorbilder?

Als Künstlerinnen und Künstler sind es vor allem zwei: Maria Lassnig und William Kentridge. Beide machen Trickfilm. Maria Lassnig malt außerdem und beschäftigt sich grundsätzlich mit dem Thema Identität. William Kentridge zeichnet seine Filme und verwendet sie in Installationen und Theaterproduktionen.

Weil ich mich selbst in meiner Arbeit mit Identität beschäftige, lösen gerade diese beiden bei mir ein Echo aus und ich könnte mir stundenlang ihre Arbeiten anschauen.

Darüber hinaus gibt es viele Menschen, deren Leben mein Vertrauen bestärkt hat, das ein Leben als Künstlerin möglich und mein Weg ist. Entweder, weil ich bei ihnen „Abgucken“ konnte, wie ein Künstler*innenleben konkret aussehen kann, andererseits, weil sie mich ermutigt haben, meinem Bauchgefühl zu folgen und darauf zu vertrauen, dass sich schon alles fügen wird.

Rituale beim Malen, Musizieren, Schreiben? Davor, danach?

Bevor ich in die Arbeit tauche, mache ich mich „warm“, ähnlich wie beim Sport. Ich erinnere meinen Körper und mein Gehirn daran, dass wir gleich die gewohnte Arbeit tun, in dem ich mich malerischen und zeichnerischen Lockerungsübungen oder mit kurzen Schreibphasen eingroove. Hinterher reflektiere ich oft schreibend, was gut war und warum, woran ich weiterarbeiten möchte.

Außerdem räume ich nach der Arbeit auf, damit ich am nächsten Tag wieder unbeschwert und entspannt loslegen kann. Alle Materialien werden sortiert, alle Stifte wieder angespitzt… Das brauche ich einfach.

Lieblingsprojekt?

Immer das, an dem ich gerade arbeite. Im Moment ist es ein Trickfilm über Liebe in Legetrick-Technik, in dem ich meine Malerei und meine Lust am Zeichnen mit meinem Lieblingsmedium Trickfilm verbinde. Der animierte Kurzfilm wird im Frühjahr 2017 fertig werden.

Was fühlt man nach Verkauf einer Arbeit?

Wenn ich eine Arbeit verkaufe oder auch Postkarten oder Büchlein, dann freue ich mich darüber, dass sich jemand über meine Arbeit mit mir verbunden fühlt. Gerade Original-Kunstwerke kaufen die meisten erst nach einiger Überlegung, aber es sind oft treue Begleiter in vielen Lebenslagen. Umso schöner ist es dann für mich, wenn sich jemand entscheidet, eine meiner Arbeiten als Begleitung zu wählen.

Leider hänge ich selbst nicht so sehr an den fertigen Arbeiten, weil ich eher prozessorientiert denke und nicht auf ein bestimmtes Ergebnis abziele. Wenn die Arbeiten gemacht sind, sind sie gemacht, allerdings ist das wirklich Spannende der Weg dorthin. Wenn ich sie nicht verkaufe, kann es gut passieren, dass ich sie mir bei anderer Gelegenheit wieder vornehme und weiter ver- und bearbeite.

Wünsche an die Zukunft?

Ich wünsche mir, dass es so weitergeht wie jetzt, dass alles beständig weiterwächst und sich weiterentwickelt. Dass meine Arbeit immer weitere Kreise zieht. Dass ich immer besser in der Lage sein werde, meine Mutterrolle und meine Rolle als Künstlerin zu vereinen und dass ich weiterhin andere inspieriere, ihren eigenen Weg mit der Beharrlichkeit zu gehen, mit der ich es tue.

Maltechnik, Stile, Variationen?

Egal, ob ich male, zeichne oder Trickfilme mache: immer reagiere ich auf Vorgefundenes. Wenn ich male, arbeite ich oft mit Zufallstechniken und erst wenn einige Schichten Farbe auf dem Papier sind, schäle ich ein Bild heraus und verfeinere es mit Zeichnungen und Worten. Ich folge meiner Intuition und lege mich nicht vorher fest, was rauskommen soll. Im Gegenteil: mit großer Neugier lasse ich mich immer wieder von mir selbst überraschen. Ich bin sehr verspielt und genieße es, verschiedenste Dinge auszuprobieren, wenn sie meinem Prozess diesen.

Meine Malerei besteht oft auf abstrakten Spuren, meine Zeichnungen dagegen sind oftmals sehr grafisch und knackig. Immer wieder fällt mir auf, wie sehr ich von Comics beeinflusst bin, ohne dass ich mich selbst als Comic-Künstlerin bezeichnen würde. Meine Bilder wirken auf Menschen oft wie Illustrationen, zu denen es aber keine Textvorlage gibt.

Wie reagiert Umfeld, wie reagiert auf „Künstler“?

Menschen, die mich gerade erst kennenlernen, fragen als erstes, ob ich davon leben könne und erzählen mir dann oft, dass sie selbst ja keinen geraden Strich aufs Blatt bekämen. Viele Menschen begegnen mir mit einer seltsamen Ehrfurcht, als sei es etwas besonderes, was ich tue. Diese Ehrfurcht finde ich immer etwas schräg, weil ein Künstlerdasein nicht besonderer ist als alle anderen Berufe auch. Ich tue etwas, weil ich es gut kann und im Idealfall gebe ich der Gesellschaft sogar etwas zurück. Menschen, die mich sehr gut kennen, nehmen einfach hin, dass das mein Beruf ist, so wie sie selbst eben auch einen haben.

Künstler*in zu sein ist für mich ein Aspekt aus unzähligen Möglichkeiten, die wir Menschen haben. Ich habe lange meine Hand-Augen-Koordination trainiert und die kreativen Synapsen in meinem Hirn etwas mehr srapaziert, als es die meisten Menschen im Alltag tun. Deswegen bin ich in diesen Dingen besoders gut. Menschen, die tagtäglich programmieren oder Lager verwalten, sind darin gut. Menschen, die den ganzen Tag Hunde frisieren, eben darin. Mir ist es wichtig, dass nicht eines besser ist als das andere, sondern dass all diese Dinge gleichwertig nebeneinander stehen dürfen und sie alle gleichermaßen gebraucht werden.


Portfolio: www.jessica-koppe.de // Twitter: JessicaKoppe