Künstler im Interview – Brigitte Krächan

Herzlich willkommen zu einer neuer Folge “Künstler im Interview”. Diesmal mit Brigitte Krächan. Vielen Dank nochmals für den Einblick in dein Schaffen!!

Was inspiriert Dich?

Alles.
Bilder, Träume, ein Satz, den ich im Vorübergehen aufschnappe, Menschen in ihrem Alltag, die kleinen und großen Tragödien
Das Hütte im Wald von „Solitär“ gibt es wirklich, ich laufe da öfter einmal beim Spazierengehen vorbei. Die Frage „wer könnte da wohnen und warum?“ habe ich in einer Geschichte behandelt. Aber ich verrate jetzt nicht, wo die Hütte steht.

Ich mag es, wenn jemand meiner Inspiration Beine macht. Die besten Texte schreibe ich, wenn mir ein Bild oder ein Thema vorgelegt wird und es heißt: „Schreib mal etwas darüber!“ Ich werde so gezwungen, meine Komfort-Schreibzone zu verlassen und mich auf Neues einzulassen.
„Fräulein Annabella Kleist“ ist so entstanden. Ich hätte mich niemals freiwillig an das Thema Alzheimer gewagt.

Das Bild einer toten Fliege und der Bildtitel „Pastelltot“ (von Eva Maria Vogtel) haben zur Idee eines Krimis geführt, der im Frühjahr bei dotbooks erscheinen wird. Bis vor zwei Jahren wäre ich nie auf die Idee gekommen, Krimis zu schreiben.

Wie kamst Du zur Kunst?

Dass mir Worte liegen, habe ich schon in der Schulzeit bemerkt. Lieblingsfach: Deutsch. War wohl das einzige Fach, in dem ich (fast) immer meine Hausaufgaben hatte.
Dann bin ich aus Neugier zur Schreibwerkstatt von Waltraud Schiffels, damals Stadtschreiberin von Saarbrücken. Schreibaufgabe „Weihnachten“. Ich habe mein Werk vorgelesen und Waltraud ist aufgestanden, hat ein Buch von Thomas Mann aus dem Regal genommen, es vor mir hin gelegt und gemeint: „Das ist dein Schreibstil und der ist richtig gut.“ Wow ! Und dieses Urteil von einer richtigen Schriftstellerin! Eigentlich mochte ich Thomas Mann nie – aber egal. Übrigens: Ein guter Schreibstil ist wichtig – aber du musst auch etwas zu Erzählen haben.
Und dann war ich in der sozialen Arbeit tätig. Gesundheitsamt, Jugendamt, therapeutisches Jugendheim.
Da kam das Bedürfnis, solche Menschen und ihr Handeln zu beschreiben, von denen ich annahm, dass sie oft übersehen oder in ihren Motiven missverstanden werden.
„Cato“ und „Weihnachtsmarkt“ sind typische Beispiele dafür. Oder „Lebenslänglich“, ein Roman, der sich mit den Folgen von Kindesmissbrauch beschäftigt.

Vorbilder?

Wolfgang Borchert, in seinen Texten gelingt es ihm wunderbar, Gefühle und Befindlichkeiten zu zeigen anstatt sie nur zu beschreiben.
Günther Kunert, weil er sich nie in ein bestimmtes Genre einordnen ließ und mit Freude und großem Können alles macht, was mit Worten zu tun hat .
Stephen King, der Altmeister des Spannungsaufbaus.

Rituale beim malen, musizieren, schreiben ? Davor, danach?

Ich würde ja jetzt gerne schreiben, dass ich lange Spaziergänge mache und dann mit einer tollen Idee zurückkomme. Und ein Autor darf ja auch etwas erfinden; aber ehrlich gesagt: Wenn ich mit einem Text gar nicht weiterkomme, gehe ich in die Badewanne.
Den PC fahre ich zum Schreiben immer hoch, selbst wenn ich einen Text auf Papier schreibe. Das Brummen heißt für mich: Jetzt wird gearbeitet.

Lieblingsprojekt?

Segen und Fluch: Das jeweilige Buch, an dem ich gerade schreibe.

Was fühlt man nach Verkauf eines Bildes, Buches?

Erstaunen – dass Menschen für das, was ich schreibe, tatsächlich Geld ausgeben.

Zweifel – hoffentlich sind sie mit dem, was sie da gekauft haben, zufrieden.

Selbstvertrauen – dass tatsächlich ein Verlag meinen Krimi ins Programm genommen hat, empfinde ich als Bestätigung meines Schreibens

Maltechnik? Schreibstil? Variationen?

Da halte ich es mit Günther Kunert. Für alles offen sein was mit Worten zu tun hat.

Wie reagiert Umfeld, wie reagiert auf „Künstler“?

Ich bin ja eher ein heimlicher „Künstler“. Ich mag keine Lesungen und Verkaufstouren. Die wenigsten aus meinem Umfeld wissen, dass ich schreibe. Im Freundeskreis und in der Familie allerdings gibt es viel Unterstützung und Lob. Es wird geduldig Probe gelesen, es werden Plots und Ideen diskutiert und kritisiert und immer wieder heißt es: Schreib darüber einmal eine Geschichte.

Wünsche an die Zukunft?

Zeit


Brigitte Krächan, Homepage: aemaets