Leseempfehlung: Ende der Märchenstunde

Ich habe dieses Jahr schon für 7 Bücher Rezensionen geschrieben. Während des Lesens entwickelt ich dabei schon erste Gedanken was ich alles in dem Eintrag schreiben könnte.

Bei „Ende der Märchenstunde“ von Kathrin Hartmann (Link) war das aber nicht so einfach. Seite für Seite konnte ich nur noch den Kopf schütteln, und es bildete sich Wut. Wut und Unverständnis über diesen Lebensstil der Lohas, über ihre Art zu denken, ihre Lebensphilosophie. Lohas steht für „Lifestyle of Health and Sustainability“ (Lebensstil für Gesundheit und Nachhaltigkeit) und ist eine Menschenschicht mit einem überdurchschnittlichen Einkommen.

Lohas haben es sich zum Lebensziel gemacht, nur noch gesund, also Bio zu leben und sehen sich als Lifestyle-Ökos. Schnell wurden sie von den Industrie als wunderbare Zielgruppe entdeckt. Warum ? Weil sie eigentlich das mitbringen, was man gerne hat. Geld, also Kaufkraft.
Lohas sind der Meinung, wenn wir alle die Richtigen Produkte kaufen, dann retten wir die Welt. Auch wenn die Produkte etwas teurer sind, das sollte uns die Welt schon wert sein. Sie nennen es „Strategischer Konsum“

Als Lifestyle-Ökos kauft man natürlich nur Produkte die ein Ökosiegel tragen, auch wenn das alles nur kein Öko ist. Sie merken nicht wenn „Greenwashing“ im Spiel ist, wenn Lebensmittel und Produkte unter Menschenunwürdige Umstände hergestellt werden.

Klaus Werne-Lobo, der Autor des Buches „Schwarzbuch Markenfirmen“ sagt treffend dazu „Dieses Buch wird sie wachrütteln!“ Es wird !! Spätestens wenn man liest wie Firmen Ökologisch „wertvolle“ Produkte herstellen, die fast die selben Zutaten haben wie ihre übrigen hergestellte Produkte. Hauptsache Ökosiegel.

Oder wenn Lohas Produkte kaufen, mit denen man die Welt retten kann. Stichwort „Trinken für den Regenwald“ Pardon, Bier für den Regenwald. Da wird bekanntlich auch beim Kauf automatisch Geld gespendet. Ist sicher ein schönes Gefühl ein paar Bierchen zu Trinken und dabei zu wissen, man tut der Welt was gutes. Tut man eigentlich nicht, den die paar gespendeten Cent’s sind nur ein Tropfen auf den heißen Stein und eher PR… Aber so genau will manch einer das nicht wissen.

Oder wenn ein Autohersteller verspricht, für jedes verkaufte Auto eine Baum zu pflanzen. Die sollen dann quasi die verbrauchte Menge CO2 der verkauften Autos wieder ausgleichen. Das aber die Bäume erst wachsen müssen, und nicht von gleich an große Mengen CO2 ausgleichen, das wird mal lieber gleich unterschlagen… Hauptsache Öko.

Oder wenn man liest, das laut einer Umfrage der Bertelsmann Stiftung 3/4 der Deutschen schon mal, trotz Krankenschein, auf Arbeit erschienen sind. Nicht weil sie ihren Chef so gerne mögen, einfach nur aus Angst ihren Job zu verlieren. Und im selben Atemzug erfährt das die Industrie einem suggeriert das sowas gar nicht schlimm ist. Einfach ein paar Wellnessprodukte kaufen, ein paar Massagen nach der Arbeit und man kann am nächsten Tag wieder voller Tatendrang zu Werke gehen. Krankheit ist schon längst ein Wettbewerbnachteil auf dem Arbeitsmarkt, aber mit Lomi-Lomi-Massagen bekommen wir das sicher im Griff… Dumm nur das sich das nicht jeder leisten kann…

Am krassesten fand ich aber das Phänomen der Abwertung von Langzeitarbeitslosen. Lohas bemängeln Kinderarbeit in der 3ten Welt sehen aber nicht das laut Unicef jedes 6te Kind in Deutschland von Armut betroffen ist. Also vor der Tür ihrer schicken Altbauwohnung. Lieber stempeln sie H4 ab, nach dem Motto: „sie leben ein falsches Leben“ Nur weil die sie keine Wellnessurlaube, oder Ballettunterricht leisten können, und jeden Cent 3x umdrehen müssen bevor sie ihn ausgeben.

Mein Fazit: Lohas haben das Prinzip des Ablasshandels für sich entdeckt. Lieber etwas mehr bezahlen aber dafür das gute Gefühl bekommen, sie tun der Welt was gutes. Das sowas aber nicht der Fall ist, davor verschließen sie lieber die Augen. Sie sind keine Ethische Elite.

Ethisch vertretbarer Konsum kann nicht alleine von Käuferentscheidungen bestimmt werden. Wir brauchen ein neues Konsumdenken und die Hilfe der Politik die sich nicht von Lobbyismus verführen lässt. Es wird ein langer Weg aus ….

Das Buch ist eine eine gute Leseempfehlung für alle die sich mit dem Thema „Öko“ auseinander setzen wollen!

„Ende der Märchenstunde“ von Kathrin Hartmann ist erschienen im Blessing Verlag als Paperback, hat 384 Seiten,und kostet 16,95 €.
Die Autorin war im Dezember 09 in der Sendung „Fragen an den Autor“ von SWR2 zu Gast, das geführte Interview kann man aber leider nicht mehr nachhören. Dafür gibt es zu dem Buch eine Homepage mit weiteren Infos. Ein Dankeschön an den Verlag für das Rezensionsexemplar.