Mein Weg zum Mac 05 – Claudia

In der neue Reihe “Mein Weg zum Mac” beschreiben Mac-User ihren ganz persönlichen Weg in die Apple Welt. Wenn auch du deine persönliche Geschichte darüber schreiben möchtest, hinterlasse einfach einen Kommentar. Ich komme dann auf dich zu.

Mein Weg zum Mac

Meinen ersten physischen Kontakt mit einem Apple-Computer hatte ich 1987. Ich glaube nicht, dass ich zuvor schon mal von Apple bewusst gehört hatte, der Besitz eines eigenen Geräts war für mich zu der Zeit auch überhaupt nicht relevant. Ich arbeitete damals als Zeitarbeits-Sekretürin in Stuttgart – und als solche bekam ich einen Einsatz „beim Daimler“. Ich landete in einer sehr visionär tätigen Abteilung der Strategischen Konzernplanung und sollte dort einerseits das Sekretariat für einen Abteilungsleiter machen, andererseits aber auch für die gesamte Abteilung die Charts für Präsentationen grafisch aufbereiten. Es ging damals um den Ausbau zu einem führenden internationalen Mischkonzern nach Vorbild gewisser US-amerikanischer Companies.

Und da war er also: Ein jungfräulicher, hypereleganter Apple Macintosh II. Viel mehr als 1MB Arbeitsspeicher und 20 MB Festplatte dürfte er nicht gehabt haben … absolut hochmotorisiert und mehr als ausreichend für die schlanken Programme von damals. Ich kann mich nicht erinnern, dass da eine Person gewesen wäre, die mir das Gerät und die Programme erklärt hätte, mit der Mac-Hilfe hab ich’s mir einfach selber beigebracht. Meine Kollegin musste – natürlich – mit einem Gerät der Tochterfirma AEG arbeiten. Fenster und WYSIWIG gab es in der Dos-Welt noch nicht, Word hatte noch den zauberhaften blauen Hintergrund. Ich dagegen hatte diese ganzen Features. Und eine Maus. Die Kollegin – Sekretärin des Hauptabteilungsleiters – wollte auch gerne einen Apple, kriegte aber keinen, weil sie ja nur Textverarbeitung machte. Dateien, die wir untereinander austauschten, speicherte ich dann eben auf einer Dos-formatierten Diskette im für sie passendem Format, ihre Disketten und Dateien konnte ich problemlos öffnen.

Ich arbeitete mit den Programmen Word für allgemeines Textverarbeitungs-Gedöns, Excel für die Herstellung von Torten- und Balkengrafiken, McDraw für das Layout der Grafiken und Powerpoint für die Präsentation. Hypercard verwendete ich auch ab und zu, sonst glaub ich nichts. Es war super. Ich hatte  Exoten- und Experten-Status in der Abteilung und deshalb, auch durch meinen von gewisser Distanz geprägten Status als Zeitarbeiterin, in der ansonsten formal doch eher strengen Firma verhältnismäßig viel Narrenfreiheit: Kostümchen trug ich nie, mitunter hatte ich rote Haare, wenn ich komplizierte Charts basteln musste, hörte ich per Walkman Punkrock und manchmal, wenn die Betriebswirtschaftler total abstruse Diagramme konzipierten, sagte ich: Das zeichne ich nicht, das ergibt überhaupt keinen Sinn. Und kam damit durch. Ich hatte zu der Zeit noch keine Hochschule von innen gesehen.

Am Tollsten war es eines Tages, als ich hörte, dass meine Grafiken für eine Präsentation im Büro von Edzard Reuter verwendet worden seien, internationale Presse oder so. Ich war stolz. Und extrem amüsiert zugleich. Es hieß, die Grafiken wären auf einem AEG-Rechner präsentiert worden … was der aber gar nicht konnte – ein langes Kabel führte ins Nebenzimmer, wo der Apple stand und ihn fütterte. Nach meinem Zeitarbeits-Einsatz beim Daimler landete ich in der Rennabteilung von Porsche, da hatte ich dann eine elektrische Speicherschreibmaschine. War aber nicht so schlimm, denn es gab sowieso nicht viel zu tun für mich dort. Zu alledem hatte ich damals einen Freund, der sich mit Basic und dBase beschäftigte. Wir stritten uns oft und gerne über den Sinn und Unsinn von Apple Computern. Sein Hauptvorwurf war, dass es kein Dos und keine ConfigSys gäbe, mein Hauptargument war, dass normale Computerbenutzer sich damit auch gar nicht beschäftigen wollen, sondern einfach arbeiten.

So kam ich also zum Mac … und habe in den letzten 25 Jahren die meisten Apple-Modelle (und Anfang der 90er sogar einmal einen Apple II mit monochromem Bildschirm und großer Floppy) und Betriebssysteme unter den Fingern gehabt. Während Studium, während Praktika und Jobs – waren dann tatsächlich meistens Macs am Start. Weshalb ich mich mit Windows bis heute wirklich nicht besonders gut auskenne. Meinen ersten eigenen Mac hatte ich 1995: Ein Powerbook 520 mit Farbmonitor, Trackball, Faxmodem und System7. Tolles Gerät. Aus Gründen musste ich mich recht schnell wieder von diesem großartigen Laptop trennen, es folgte ein Powerbook 5300 s/w mit Trackpad. Welches 3 Tage nach Ablauf der Garantie den Geist aufgab: Apple schickte mir anstandslos ein Neues. Es liegt heute noch im Schrank und funktioniert auch noch … es wird wohl mal was mit Kunst machen müssen, demnächst. Wegen eines festen Jobs kam ich dann für mehrere Jahre ohne eigenes Gerät aus. Als ich mich 2004 in Berlin selbständig machte, kaufte ich mir ein neues 15″ iBook G4, das eigenlich immer noch ganz gut läuft und auch noch arbeitet. Und letztes Jahr bin ich – Speed matters heutzutage halt doch – nach langem Knirschen auf ein gebrauchtes 17″ MacBook Pro Intel, BJ 2008 als Hauptarbeitsgerät umgestiegen.

Seit ich Apple Computer benutze, sind sie für mich keine Status-Symbole, sondern einfach zu bedienende, effektive, von vorn herein vernünftig ausgestattete und vor allem auf Grafik spezialisierte Arbeitsgeräte. Nicht zu vergessen: Plug-and-play, zB. 5 Seiten Installationsanweisungen für Windows vs.´ „Stecken Sie den Bluetooth-Stick einfach ein, er funktioniert dann sofort.“ Würde ich mir wieder einen kaufen? Ja, wahrscheinlich … es sei denn, aus webOS wird noch ein richtiges Betriebssytem. Ich träume weiter. Ein IPhone habe ich nicht und möchte ich nicht. Mein Smartphone ist ein kleiner Exot.

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